Schwanger in Schweden, Teil 2

Nach den Erlebnissen während der ersten Schwangerschaft, wechselte ich in eine private Hebammenstation – war das eine gute Idee?

Gleich vorweg: Ja, es war eine gute Idee. Zumindest in Anbetracht der generellen Schwangerschaftsbetreuung in Schweden.

Emil war genau ein Jahr alt, als ich wieder – geplant – schwanger wurde. Diesmal war ich fast 40, also ein schwangeres Fossil. Und diesmal wählte ich eine Hebamme, die an eine private gynäkologische Ordination mit 2 Ärztinnen angeschlossen war. Die Kosten für eine Hebamme im privaten Bereich trägt aber der Staat.

M. war sehr nett und menschlich wirklich in Ordnung. Die Ordination erweckte auch einen etwas gemütlicheren und heimeligeren Eindruck als das kalte, schmuddelig wirkende Krankenhaus. Trotzdem wurde das gleiche Programm gefahren: abwiegen (diesmal ohne blöde Kommentare), Gespräch, Herztöne abhören (die Ausrüstung etwas moderner) und Kontrolle des Wachstums des Babies mit dem Maβband. Irgendwie hatte ich mich daran gewöhnt, es war ja beim ersten Mal auch alles gut gegangen. Ich kam auch auf die geniale Idee, von meiner Groβmutter zu erzählen, die einen Zwillingsbruder hatte und damit stand mir dann plötzlich doch auch ein früher Ultraschall zu, um eine eventuelle Zwillingsschwangerschaft zu identifizieren. Ich „traf“ Nova also viel früher als Emil.

Soweit so gut, aber dann ging es los. Auch diesmal entschieden wir uns für einen Blut-Ultraschall-Test auf Down’s Syndrom und der niederschmetternde Bescheid war: Mein Baby hatte ein Risiko von 1:7 für eine Trisomie. Ich war am Boden zerstört und entschied mich deshalb für eine Chorionzottenbiopsie in der 14. Woche. Im gröβten Krankenhaus Göteborgs wurde das sehr professionell durchgeführt und die Ärztin erklärte mir, dass sie mich anrufen würde, wenn etwas nicht in Ordnung wäre, ansonsten würde ich einen Brief mit den Ergebnissen bekommen. Drei Tage später klingelte am Morgen das Telefon und die Ärztin meldete sich. Mir wurde schwarz vor Augen, doch sie erklärte mir, dass alle drei Trisomien ausgeschlossen werden können, das Geschlecht aufgrund der geringen Grösse der Probe nicht bestimmt werden konnte und man erst Zellen nachzüchten müsse. Die Erleichterung war riesig, schlieβlich war es mir völlig egal, ob es ein Bub oder ein Mädchen war, Hauptsache gesund!

In der 18. Woche, kurz vor Weihnachten kam dann der Bescheid, dass es ein Mädchen war und auch der routinemäβige Ultraschall, durchgeführt von einer Hebamme natürlich, zeigte damals ebenfalls nichts Auffälliges. Im Nachhinein gesehen gab es aber sehr wohl etwas Auffälliges: Sowohl bei dem Ultraschall für den Test auf Down’s Syndrom als auch während des Routineultraschalls 6 Wochen später, bewegte sich Nova nicht. In beiden Fällen wurde mir erklärt, sie schlafe wahrscheinlich. Heute weiβ ich: sie hat wahrscheinlich nicht geschlafen. Sehr wenig Bewegung des Embryos ist ganz typisch für AMC.

Da also eine Trisomie ausgeschlossen war und alles Andere auf ein gesundes Kind hinwies, verzichtete ich diesmal auf Untersuchungen in Wien. Unter anderem auch, weil wir ja schon Emil hatten und der war mit seinen 18 Monaten gerade ziemlich anstrengend. Ausserdem war ich zurück im Job, irgendwie ging es sich einfach nicht aus.

So verging also die 2. Hälfte der Schwangerschaft ohne weitere Ereignisse, ich entwickelte einen gigantischen Bauch, der so manch Aufmerksamkeit erregte. Eine Sache war jedoch etwas komisch und zwar spürte ich Nova kaum. Sie trat mich äusserst selten und wenn ich sie spürte, dann waren es eher streichende Bewegungen. Als ich M. davon erzählte, meinte sie nur lächelnd: „Das ist halt ein gemütliches Mädchen.“

In der 36. Woche konstatierte M., dass sich Nova nicht gedreht hatte, sondern quer lag, mit dem Kopf unter meinem linken Rippenbogen. In Woche 38 lag Nova noch immer quer, M. überwies mich ins Kreiskrankenhaus in Varberg, wo ich später auch entbinden sollte. Eine Ärztin dort stellte fest, dass ich ca. 25% zuviel Fruchtwasser hatte und es deswegen keinen Sinn machen würde, eine äuβere Drehung durchzuführen, da Nova sich wahrscheinlich in dem vielen Wasser wieder zurück drehen würde. Dazu muβ ich erklären, dass diese riskante und mittelalterliche Methode hier in Schweden tagtäglich durchgeführt wird. Man verabreicht der Schwangeren Medikamente und dreht dann das Baby von aussen manuell in die richtige Position. Eine relativ brutale Methode. Ich war immer sehr negativ dem gegenüber eingestellt, da ich nach einigem Lesen von Literatur nur Nachteile erkennen konnte. Die Einschätzung der Ärztin diesbezüglich kam mir also recht. Dass zuviel Fruchtwasser an sich schon eine Diagnose ist, bzw. eigentlich weiterführende Untersuchungen spätestens jetzt angezeigt wären, auf die Idee kam ich nicht und die Ärztin anscheinend auch nicht. Ich aber war voller Vertrauen in das medizinische Personal. Abschliessend wurde mir gesagt, dass ich am berechneten Termin in die Entbindungsstation kommen solle und hätte sich Nova bis dahin immer noch nicht gedreht, würde man weiter sehen.

Ich „genoss“ also die nächsten 2 Wochen bis zum Termin, am 21.5.2013 machten wir uns morgens auf den Weg nach Varberg.

Was dann folgte, ist wieder einmal eine ganz andere Geschichte und keine Schöne. Ich denke aber, dass ich darüber schreiben werde.

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